Vom fraglichen Sinn und offensichtlichem Irrsinn internationaler Fleischmärkte

Deutsche Schweinebauern kämpfen mit großen Problemen, jedenfalls dann, wenn sie ihr Fleisch national oder gar international vermarkten. In den Ställen erfreuen sich ihre Mastschweine eines längeren Lebens als vorhergesehen, während eine Flut von Ferkeln schon in der Warteschlange steht, um den Platz der schlachtreifen Tiere einzunehmen. Schweinestau nennt sich das Phänomen, das den Betrieben einen bedenklichen Preis-Tiefstand auf einem Niveau beschert, wie Deutschland es 2011 das letzte Mal verzeichnete.

Fakten am Schweinemarkt

Das Ganze hat natürlich erklärungsbedürftige Gründe. Zunächst ein paar Zahlen: In Deutschland werden jährlich rund 48 Millionen Schweine geschlachtet. Circa 40 Millionen davon essen wir selbst. Der Rest ist Exportware. Hauptabnehmer ist China, aber auch andere Staaten wie Südkorea braten gerne deutsche Schnitzel. Der ökologische Fußabdruck eines solchen Schnitzels ist fraglos eine Katastrophe. Elf Millionen der Ferkel erblicken das Licht der Welt nicht in deutschen Ställen, in denen sie jedoch aufwachsen. Sie stammen fast ausschließlich aus Dänemark, Belgien und den Niederlanden.

Die gesamte ‚Schweinefleischlogistik‘ ist ein ausgeklügeltes System, bei dem Fragen der Nachhaltigkeit und des Respekts vor dem einzelnen Tier eher wenig Raum finden. Es ist jedoch auch ein System, das von einer industriellen ‚Produktionsweise‘ lebt und auf unvorhergesehene Entwicklungen kaum reagieren kann - ganz einfach, weil Schweine Tiere sind, die einen Lebenszyklus haben. Zwei solcher Entwicklungen bedeuten aktuell beinahe den Kollaps am deutschen Schweine-Markt. Die Rede ist von Corona und der Afrikanischen Schweinepest.

Wöchentlich schlachten deutsche Metzger deshalb momentan fast 200.000 Schweine weniger. Aber diese Tiere gibt es bereits. Sie stehen in den Ställen, verursachen Kosten, legen täglich an Gewicht zu und verlieren damit an Wert. Das Idealgewicht eines Schlachtschweins wird hierzulande mit 100 Kilo definiert. Dann bekommt der Landwirt den handelsüblichen Optimal-Preis. Ab 104 Kilo sinkt der bereits. Ab 120 Kilo halbiert sich der Preis sogar fast. Manche Schweine bringen inzwischen um die 150 Kilo auf die Waage. Für die Landwirte bedeutet das einen hohen Wertverlust bei deutlich höheren Futter- und Haltungskosten. Hinzu kommt der aktuelle Tiefpreis für Schweinefleisch, auch wenn die Modellmaße stimmen.

Die Afrikanische Schweinepest (AFP)

Für den Menschen ist die AFP völlig ungefährlich. Schweine sterben jedoch fast immer daran. In diesem Jahr trat die Afrikanische Schweinepest in Brandenburg und Sachsen auf. Wildschweine waren infiziert und starben. China, Exportland Nummer 1, reagierte sofort und machte die Grenzen für deutsches Schweinefleisch komplett dicht. Süd-Korea und andere Nicht-EU-Staaten folgten dem Beispiel. Mit einer ebenso findigen wie fragwürdigen Variante konnten die Auswirkungen zunächst gemildert werden. Deutschland exportierte nach Spanien und Spanien verkaufte dann das deutsche Schweinefleisch nach China. Corona und seine Auswirkungen machte diesem Handel den Garaus.

Die Pandemie und ihre Folgen

Die Schließung von Schlachthöfen in den letzten Wochen und Monaten stellte eine von vielen Herausforderungen dar. In der Fleischverarbeitung müssen aus Hygienegründen niedrige Temperaturen herrschen, die aber gleichzeitig ideale Voraussetzungen für die weitere Verbreitung des Virus darstellen. Daher infizierten sich viele Mitarbeiter mit dem Virus. Hinzu kamen teilweise mangelnde Hygiene und schwierige Alltagsbedingungen des häufig aus dem Ausland stammenden Personals. Inzwischen stellt der Personalmangel ein großes Problem dar, weil Mitarbeiter aus dem Ausland aus Angst vor Corona in ihren Heimatländern bleiben. Strengere Auflagen verlangsamen inzwischen die Abläufe in den Schlachthöfen, so dass Schlachtkapazitäten deutlich abnehmen. Die Schließung von Gaststätten bedingt außerdem eine niedrigere Nachfrage.

Ein Fazit

Während sich die Schweine nun eines längeren Lebens erfreuen, fuhren deutsche Ferkelerzeuger die Produktion um rund 7 Prozent herunter. Der Import von Ferkeln wurde deutlich reduziert. Rund 650.000 viel zu dicke Schweine warten trotzdem unverdrossen auf ihren Schlachttag. Die Landwirte zahlen kräftig drauf.
Es stellt sich die Frage, ob sich ein solcher Prozess verhindern ließe. Die Antwort: Ja! Regionale Kreisläufe, ökologisches Wirtschaften und verantwortlicher Konsum sind in der Kombination eine vernünftige Alternative zum globalisierten Handel mit Schweinefleisch. Sie vereinen Planungssicherheit, faire Preise, umweltbewusstes Wirtschaften und den Respekt vor Mitgeschöpfen. Die aktuelle Entwicklung am Schweinemarkt bestärkt die TAGWERK Bio Metzgerei in ihrem Ansatz: ihre Wirtschaftsweise schafft Respektqualität, Genussqualität und Lebensraumqualität zugunsten von Erzeugern, Verbrauchern, den Tieren und der Natur.

Es geht auch anders und zwar so:

 

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